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Vintage Ferraris

Trabrennen pur: Starterfelder, Historien, Wettschein, Details, Quoten

Sportwetten im Internet - 1996

Sportwetten, genauer Wetten auf Trabrennen sind eine von außen gesehen spröde Angelegenheit. Fakten, Fakten, Fakten und immer an die Zahlen denken.

Aber es ist 1996, Fettes Brot kommt mit „Jein“ in die Charts, warum also wir nicht auch? Immerhin: Sportwetten können nicht pleite gehen, denn Sie sind staatlich, und speziell die Trabrennszene könnte neues Publikum gebrauchen.

Zusammen mit einem Brancheninsider entwickeln wir Starterfeldübersichten, die sich bis 30 Sekunden vor dem Rennen noch ändern können, dynamische Tippscheine, Teilnehmer-Historien, Wetterstatistikauswertungen für Fahrer, Geläuf und Pferd und es gelingt sogar, mithilfe von absurden antiken Rechnern aus belgischen Garagen eine Schnittstelle zum Totalisatorsystem der Rennbahnkassen herzustellen. (Das rechnet die Quoten für Sieg-, Platz-, Dreier- und sonstige Wetten aus. Also wie hoch der Gewinn im Verhältnis zum Einsatz wird.)

Interface und Technik sind beinahe fertig, als uns langsam der Verdacht beschleicht, daß die Rennbahnen uns entgegen früherer Beteuerungen doch nicht mitspielen lassen. Sie haben zwar kein vergleichbares System, aber da könnte ja jeder kommen.

Stimmt. Keine zehn Jahre später bieten Buchmacher etwas Ähnliches an, allerdings ohne echte Totalisatorquoten. Aber auch ohne die Rennbahnen.

Schematische Darstellung des Ablaufs, Beispielseiten als Miniatur

Collaborative Filtering 1997

Warum erreicht man bei Websites immer wieder den Punkt, wo sich nicht mehr sauber regeln läßt, was wie in die Navigation einsortiert wird und was alles auf die Homepage darf? Weil die Bezüge mehrdimensional sind, und es meistens mehr mehr- als eindeutige Zuordnungen für Inhalte gibt.

Eine Lösung des Problems heißt Collaborative Filtering, stammt vom MIT, war eigentlich für den Musikgeschmäckervergleich gemacht und erblickte als „Firefly“ 1996 das Licht der Welt (bzw. erschien in WIRED). Passenderweise bemühten wir uns zu der Zeit darum, einem Kreditinstitut oben beschriebenes Problem zu lösen.

Man entscheidet sich für einen reduzierten, hierarchischen Aufbau seiner Inhalte, und verfolgt, in welchen Wanderwegen Besucher das Angebot durchstöbern. Wenn sich Wege wiederholen und kreuzen, spiegelt man diese „Nachbarschaftsverhältnisse“ mit Links (oder sogar Teasern, wenn man vorher insgeheim damit gerechnet hat) auf den Seiten wieder.

Die Funktion von Amazon „Kunden, die dieses Buch gekauft haben, interessieren sich auch für…“ ist inzwischen weltbekannt. Das Schöne: man muß „nur“ die Architektur bauen und die Parameter kontrollieren, die eigentliche Arbeit machen die Besucher.

Allerdings muß ein Anbieter diese Methode auch liebgewinnen bzw. sich eingestehen, daß er nicht alle Verknüpfungsideen und Wünsche seiner Kunden vorhersehen kann. Nicht so in diesem Fall, das Projekt wurde für zu futurisisch erklärt, und stattdessen erhob sich eine 3D-gerenderte Shopping Mall mit interessanten Ladenbeschriftungen, auf die man klicken konnte.

R.I.P.: Micosoft kaufte Firefly und das „Geschäftsmodell“, fand aber Ende 99, daß es nicht zum Rest passte und machte es wieder zu.

PUT & GET Campus '98 Worknet, Admin-Interface

Das einfachste Intranet/Extranet der Welt - 1998-2001

Aus diversen Intranet-Projekten lernt man, daß im Wesentlichen immer dasselbe von einem Intranet (und auch von einem Extranet) verlangt wird. Nämlich eine große, auf wunderbare Weise immer perfekt aufgeräumte Festplatte mit wichtigen Informationen zu sein.

Allen Beteuerungen von Redakteuren zum Trotz entschieden wir uns für ein Volltext-Indizierungssystem, um Inhalte später finden zu können. Verschlagwortung (tolles Wort!) ist zwar klasse, aber Werbung, Pressefotos, Konstruktionszeichnungen, Adressen, Präsentationen oder Schulungsunterlagen haben nicht sehr viel gemeinsam, und der Redakteur muß sich einiges einfallen lassen, um eine Ordnung aufrecht zu erhalten. Wir wollten aber ein System, das fast ohne Redaktionsaufwand Inhalte findbar macht. Deswegen muß der Text in den Dokumenten und nur bei Bildern der Dateiname und eine Kurzbeschreibung herhalten, um gefunden zu werden.

Die Indizierung gestaltete sich natürlich über Plattform- und Softwaregrenzen hinweg schwierig bis durchaus auch unmöglich, und selbst das triviale Hochladen von wirklich großen Dateien wurde mit den verschiedensten Methoden angegangen. Zusätzlich wurde das Prinzip, alle Informationen gleich zu behandeln und nur verschieden anzuzeigen, durch diverse Sonderlösungen wieder aufgeweicht.

So ging auch diese Web-Applikation den berühmten Weg von einfach zu kompliziert und wieder zurück, bis schließlich fast nur noch die nützlichen und auch benutzbaren Extras neben dem simplen Ablage- und Find-System übrig waren.

Das Happy End: Der Ur-Ur-Enkel verrichtet klaglos und schnell seinen Dienst z.B. bei TDK Europe, und sortiert Bilder, PDFs, Office-Dateien und Feindaten für das Marketing.

Storyboard als Wireframes, Screens Ankündigung, Übersichtsseite, Administration

(B2B) Video-Plattform im Web 2003

Gestartet als Präsentationsplattform für Filmproduktionen, sollte dieses Projekt nach einer Aufbauphase auch privaten Videofilmern zum Verbreiten ihrer Kunst zur Verfügung gestellt werden.

Der zunächst bescheiden gehaltene Funktionsumfang umfasste die Gestaltung der „Räume“ genannten Unterwebsites, und das Einrichten von geschlossenen Bereichen innerhalb - für Kundenpräsentationen. Hauptunterschied zu den schon existierenden Tauschplattformen war das Log-In. Ein einzelnes, riesiges Textfeld wollte genau ein (Pass-)Wort haben, und schon war man „trin“.

Der immer weniger bescheiden werdende Funktionsumfang war es, der dieses Projekt irgendwann abgewürgt hat. Man konnte nicht nur Filme, sondern eigentlich alle Dateitypen damit zeigen, Video aber besonders gut, und davon auch beinahe alle Formate. Man sollte mehrere „Räume“ mit einem Account verwalten können, diese sollten auch zeitgesteuert öffnen und schließen, man sollte automatische Benachrichtigungen an Buddylists verschicken können, wenn sich etwas ändert, und tatsächlich das Aussehen komplett flexibel gestalten dürfen. Klar, daß die Räume neben den Dateien auch Linklisten enthalten mußten und die Seitenheader auch gerne ein Flashfilm sein durften. Wir könnten auch alternativ den Login-Namen an die URL einfach dranschreiben, das ist besser. Und. Klar. Warum nicht. Geht. Auch.

Ein kölsches Sprichwort weiß: Wer alles will, kriegt gar nichts. Inzwischen wäre es lustig sich vorzustellen, wie eine kleine deutsche B2B-Video-Webgalerie flickr, YouTube, MySpace und del.icio.us frontal und gleichzeitig angreift.

Aber wenn genau das jemandem vorschwebt: Einzelvorführungen jederzeit möglich. Es ist nur nicht mehr ganz so einfach zu bedienen.

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